Athener Pfeifkonzert

Ein Vöglein hat mir einmal gezwitschert, dass es in Griechenland durchaus üblich sei, dass Patienten ihren Ärzten kleine Geschenke mitbringen. Mitbringsel, kein Bestechungsgeld. Eher eine Geste der Liebenswürdigkeit an denjenigen, der einen wieder gesund macht. Nun trug es sich zu, dass ich kürzlich bei Freunden in Athen zum Essen eingeladen war. Gut gelaunt und hungrig machte ich mich auf den Weg nach Kipseli, einem bunten Stadtteil mit vielen unterschiedlichen Menschen jeglicher Couleur und spannenden Ecken. In einem Blumenladen am Viktoriaplatz, in dem in einem Käfig ein eifrig zirpender Kanarienvogel saß, kaufte ich einen Weihnachtsstern als kleines Gastgeschenk. Damit ausgestattet erreichte ich kurz darauf die Wohnung unserer ausgesprochen herzlichen Freunde. Selbstverständlich roch es bereits herrlich aus der Küche, als ich die Wohnung betrat. Der Herr des Hauses, ein Zahnarzt, kam kurz nach mir und so konnte das Essen schnell auf den Tisch wandern.

Salat, eingelegtes Gemüse, ein großer Fisch aus dem Backofen, dazu eine Fischsuppe vorweg und große Garnelen wanderten nach und nach auf den Tisch. Erst ganz zum Schluss stellte die großartige Köchin einen Topf dazu, der verführerisch duftete. „Hier, probier‘ mal einen oder zwei davon als Appetitanreger“, riet mir unsere fröhliche Kochfreundin. „Was ist da drin?“, wollte ich wissen. „Tsichles!“ Und sie nahm den Deckel vom Topf. „Mein Mann hat sie von einem Patienten geschenkt bekommen!“

Unter dem griechischen Wort „Tsichles“ verstand ich nur „Kaugummi“. Das konnte es jedoch nicht sein. Als sie den Deckel vom Top nahm, sah ich es: Es waren Vögel. Kleine Vögel. Mir war etwas mulmig zumute. Probieren musste ich aber sowieso. Und so griff ich beherzt zum Flügelchen. Ein sehr zartes, hühnchenähnliches Fleisch, jedoch sehr viel feiner. Die Versuche meiner Freunde, mir zu erklären, um was für Vögel es sich handelte, schlugen fehl. Ich konnte mir keinen Reim machen, welche Vogelart dort im Kessel geköchelt hatte. Als ich am Abend müde und satt im Bett lag, schlug ich im Wörterbuch nach. Ich konnte kaum glauben, was ich dort las. Ich hatte tatsächlich Drosseln gegessen! Piep-piep-piep, Guten Appetit!

Und hier das Rezept:

Zutaten:

Drosseln, so viele man finden (fangen) kann. 3 Zwiebeln, Weißwein, Pfeffer, Salz, 1 Zitrone, 1 Zweig Rosmarin, etwas Petersilie, Sonnenblumenöl zum Anbraten.

Zubereitung:

Die Drosseln gut gerupft von innen und außen salzen und Pfeffern und im heißen Öl von allen Seiten kurz anbraten. Zwiebeln klein gehackt und einen Zweig Rosmarin hinzugeben. Mit dem Saft von einer Zitrone und dem Weißwein ablöschen. Im geschlossenen Topf etwa 30 Minuten köcheln lassen. Heiß servieren und mit etwas frischer Petersilie garnieren.

Tipp:

Wer die Vöglein echt griechisch zwitschern lassen möchte, nimmt Retsina anstatt normalen Weißwein. Mein Tipp: Am besten gleich beim Kochen ein Gläschen gegen die Aufregung trinken!

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s